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Der besondere Fall 5

Eine ungewöhnliche Vorgeschichte für ein lang dauerndes Schmerzgeschehen

Ein 28jähriger Metzgermeister berichtet über Nacken- und Kopfschmerzen seit drei Jahren. An seinem Geburtstag sei er von einem Gratulanten umarmt und in der Festesfreude schwungvoll hochgehoben worden, wobei er sich an der sehr niedrigen Decke des Zimmers massiv den Kopf angeschlagen habe. Er habe ein Knacken im Hals gespürt, das anfangs von einer leichten Spannung, in den Folgetagen dann von massiven Nackenschmerzen und zunehmenden Kopfschmerzen begleitet gewesen sei. Eine primäre Röntgenuntersuchung war ohne pathologischen Befund geblieben. Eine ärztliche Behandlung habe daraufhin nicht stattgefunden.

Im Lauf der vergangenen drei Jahre seien dann neurologische, HNO-ärztliche und unfallchirurgische Untersuchungen erfolgt, die jeweils keinen effizienten Therapieansatz erbracht hätten. Eine 18malige Massagebehandlung, intermittierende medikamentöse Behandlungen mit NSAR und krankengymnastische Stabilisierungen hätten allenfalls kurzzeitige Schmerzlinderung gebracht. In letzter Zeit waren die Beschwerden insbesondere bei Belastung durch Heben und Tragen sowie bei Kühle oder Zugluft zum Teil unerträglich geworden und seien mit heftigen Kopfschmerzen einhergegangen. Es mehrten sich die Zeiten der Arbeitsunfähigkeit.

Befund

Globale HWS-Rotation 30/0/20' rechts/links. Massive Druckdolenz bei segmentaler Bewegungsstörung bei C 2/3 und C 6/7. Massive Druckdolenz im Bereich der zugehörigen Gelenke. Rechtsbetont verspannte Nackenmuskulatur. Periphere Neurologie unauffällig. Röntgen: HWS Inklination und Reklination sowie ap-Aufnahme und BWS: Keine sichere segmentale Dysfunktion und keine ossären oder ligamentären Verletzungsfolgen nachweisbar. Insgesamt Normalbefund der Halswirbelsäule.

Diagnose

Posttraumatisch persistierende Blockierungen im Bereich der oberen und unteren Halswirbelsäule.

Therapie

Am Untersuchungstag wurde eine axiale und laterale Traktionsmobilisierung in Verbindung mit Counterstrain-Techniken und Suboccipital-release sowie manipulative unspezifische Mobilisierung in allen BWS-Abschnitten und Costotransversalgelenken durchgeführt. Der Patient berichtet über eine zwei Tage später einsetzende Linderung des subjektiven Schmerzgeschehens und eine deutliche Verbesserung der globalen HWS-Beweglichkeit. Bei der Kontrolluntersuchung drei Tage später vorsichtige Lösung von C 3 und C 7 nach den Regeln der sanften Manipulation und Nachmobilisierung. Darauf eine Woche später anhaltende Schmerzfreiheit und freie Kopfbeweglichkeit.

Fazit für die Praxis

Segmentale Dysfunktionen können unter begleitend auftretender neurogener Entzündung und ausgeprägter motorischer Systemaktivierung über Jahre persistieren und chronische Schmerzzustände verursachen, die dann einer adäquaten Behandlung bedürfen, um nicht in strukturell chronifizierte Schmerzbilder überzugehen. Eine differenzierte Schmerzanalyse einschließlich einer subtilen palpatorischen Funktionsdiagnostik ist absolute Voraussetzung für eine suffiziente Differentialtherapie.